Das Manifest des Trump-Attentäters
Am 26. April haben die im Weißen Haus akkreditierten Journalisten, die White House Correspondents‘ Association (WHCA), im Hilton Hotel in Washington zu ihrem jährlichen Dinner eingeladen, zu dem auch Präsident Trump nebst dem Vizepräsidenten und zahlreichen anderen Ehrengästen geladen war und eine Rede halten sollte. Bevor die Veranstaltung begann, aber der Saal bereits gefüllt und der Präsident und der Vizepräsident schon vor den Versammelten Platz genommen hatten, stürmte der 31jährige Allen Cole, bewaffnet mit einer Schrotflinte, einer Pistole und mehreren Messern, durch den Vorraum vor den Türen zur Treppe, die in das Veranstaltungsgeschoss führt, vorbei an mehreren Sicherheitspersonen, die sofort das Feuer eröffneten. An der Tür wurde er gestoppt und zu Boden gebracht.
In Vorbereitung dieses Attentatsversuches hatte er ein „Manifest“ verfasst und verschickt, das jedenfalls die New York Post im vollen Wortlaut veröffentlicht hat. Da es die Motive des Täters sehr deutlich an Trump festmacht – der aber namentlich nicht erwähnt wird – wollen wir es hier in unserer Übersetzung wiedergeben.
Fettdruck, Zeilenstraffungen und die Zwischenüberschriften sind von uns – erklärende Anmerkungen sind kursiv in den Text gesetzt.
Einleitung und diverse Entschuldigungen
Hallo zusammen!
Ich habe heute wohl viele Leute überrascht. Zunächst einmal möchte ich mich bei allen entschuldigen, deren Vertrauen ich missbraucht habe. Unsere radikalen Universitäten bringen eine Armee gebildeter Attentäter hervor
Ich entschuldige mich bei meinen Eltern dafür, dass ich gesagt habe, ich hätte ein Vorstellungsgespräch, ohne zu erwähnen, dass es für „Most Wanted“ war. Ich entschuldige mich bei meinen Kollegen und Studenten dafür, dass ich gesagt habe, ich hätte einen persönlichen Notfall (wenn das hier jemand liest, muss ich wahrscheinlich tatsächlich in die Notaufnahme, aber das kann man wohl kaum als nicht selbstverschuldet bezeichnen). Ich entschuldige mich bei allen Menschen, neben denen ich gereist bin, bei allen Mitarbeitern, die mein Gepäck befördert haben, und bei allen anderen Unbeteiligten im Hotel, die ich allein durch meine Anwesenheit in Gefahr gebracht habe.
Ich entschuldige mich bei allen, die zuvor misshandelt und/oder ermordet wurden, bei all denen, die gelitten haben, bevor ich diesen Versuch unternehmen konnte, und bei allen, die danach noch leiden könnten, unabhängig von meinem Erfolg oder Misserfolg. Ich erwarte keine Vergebung, aber hätte ich einen anderen Weg gesehen, um so nah heranzukommen, hätte ich ihn gewählt. Nochmals meine aufrichtige Entschuldigung.
Grundsätzliches zum Attentatsmotiv
Nun zu der Frage, warum ich das alles getan habe:
Ich bin Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika. Was meine Vertreter tun, wirft ein schlechtes Licht auf mich. Und ich bin nicht länger bereit, zuzulassen, dass ein Pädophiler, Vergewaltiger und Verräter meine Hände mit seinen Verbrechen befleckt. (Nun, um ganz ehrlich zu sein, war ich schon vor langer Zeit nicht mehr bereit dazu, aber dies ist die erste echte Gelegenheit, die ich hatte, etwas dagegen zu unternehmen.)
Erklärung zur Vorgehensweise
Da ich gerade dabei bin, werde ich auch meine voraussichtlichen Einsatzregeln durchgehen (wahrscheinlich in einem furchtbaren Format, aber ich bin kein Militär, also was soll’s.)
Regierungsbeamte (außer Herrn Patel): Sie sind Ziele, priorisiert vom höchsten zum niedrigsten Rang.
Secret Service: Sie sind nur bei Bedarf Ziele und sollen nach Möglichkeit auf nicht-tödliche Weise außer Gefecht gesetzt werden (d. h. ich hoffe, sie tragen Schutzwesten, denn ein Schuss in die Körpermitte mit Schrotflinten macht Leute fertig, die keine tragen). Hotelsicherheit: Wenn möglich keine Ziele (d. h. es sei denn, sie schießen auf mich). Kapitolpolizei: wie Hotelsicherheit Nationalgarde: wie Hotelsicherheit. Hotelangestellte: überhaupt keine Ziele. Gäste: überhaupt keine Ziele.
Um die Zahl der Opfer zu minimieren, werde ich außerdem Schrotpatronen statt Kugeln verwenden (geringere Durchschlagskraft durch Wände). Ich würde trotzdem fast jeden hier überwinden, um an die Ziele zu gelangen, wenn es absolut notwendig wäre (weil nämlich die meisten Menschen, die sich „bewusst“ dafür entschieden haben, einer Rede eines Pädophilen, Vergewaltigers und Verräters beizuwohnen, somit Mittäter sind), aber ich hoffe wirklich, dass es nicht so weit kommt.
Etwas ausführliche Begründung der Attentatsmotive
Gegenargumente zu den Einwänden:
Einwand 1: Als Christ solltest du die andere Wange hinhalten.
Gegenargument: Die andere Wange hinzuhalten gilt für den Fall, dass du selbst unterdrückt wirst. Ich bin nicht die Person, die in einem Internierungslager (Anm.: verweist auf Trumps Migrantenjagd) vergewaltigt wurde. Ich bin nicht der Fischer, der ohne Gerichtsverfahren hingerichtet wurde (Anm.: verweist auf die Zerstörung angeblicher Drogenboote in internationalen Gewässern). Ich bin kein Schulkind, das in die Luft gesprengt wurde, kein hungerndes Kind und kein Teenager-Mädchen, das von den vielen Kriminellen in dieser Regierung missbraucht wurde. Die andere Wange hinzuhalten, wenn *jemand anderes* unterdrückt wird, ist kein christliches Verhalten; es ist Mittäterschaft an den Verbrechen des Unterdrückers.
Einwand 2: Das ist kein günstiger Zeitpunkt für dich, so etwas zu tun.
Gegenargument: Ich möchte, dass jeder, der so denkt, sich ein paar Minuten Zeit nimmt und begreift, dass sich die Welt nicht um ihn dreht. Glaubst du, wenn ich sehe, wie jemand vergewaltigt, ermordet oder missbraucht wird, sollte ich einfach weitergehen, weil es für Menschen, die nicht das Opfer sind, „unangenehm“ wäre?
Das war der beste Zeitpunkt und die beste Erfolgschance, die ich mir vorstellen konnte.
Einwand 3: Du hast nicht alle erwischt.
Gegenargument: Irgendwo muss man ja anfangen.
Einwand 4: Als halbschwarze, halbweiße Person solltest du nicht derjenige sein, der so handelt.
Gegenargument: Ich sehe sonst niemanden, der diese Lücke schließt.
Einwand 5: Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört.
Gegenargument: Die Vereinigten Staaten von Amerika werden durch das Gesetz regiert, nicht durch irgendeine einzelne Person. Solange Vertreter und Richter sich nicht an das Gesetz halten, ist niemand verpflichtet, ihnen bei etwas Folge zu leisten, das so rechtswidrig angeordnet wird.
Schlussbemerkungen
Ich möchte auch vielen Menschen meine Anerkennung aussprechen, da ich wahrscheinlich nicht mehr die Gelegenheit haben werde, mit ihnen zu sprechen (es sei denn, der Secret Service ist „unglaublich“ inkompetent). Danke an meine Familie, sowohl meine persönliche als auch meine kirchliche, für eure Liebe in diesen 31 Jahren. Danke an meine Freunde für eure langjährige Begleitung. Danke an meine Kollegen aus vielen verschiedenen Jobs für eure positive Einstellung und Professionalität. Danke an meine Schüler für euren Enthusiasmus und eure Liebe zum Lernen. Danke an die vielen Bekannten, die ich persönlich und online kennengelernt habe, für kurze Begegnungen und langjährige Beziehungen, für eure Perspektiven und Inspiration.
Danke euch allen für alles.
Mit freundlichen Grüßen,
Cole „coldForce“ „Der Freundliche Bundes-Killer“ Allen
Schilderung der unzureichenden Sicherheitsmaßnahmen im Hotel
PS: Okay, jetzt, wo der ganze sentimentale Kram hinter uns liegt: Was zum Teufel macht der Secret Service eigentlich? Sorry, ich muss hier mal ein bisschen schimpfen und den formellen Ton fallen lassen.Ich hab doch erwartet: Überwachungskameras an jeder Ecke, abgehörte Hotelzimmer, bewaffnete Agenten alle drei Meter, Metalldetektoren in Hülle und Fülle.
Was ich vorfinde (wer weiß, vielleicht spielen sie mir einen Streich!), ist nichts. Keine verdammte Sicherheit. Nicht beim Transport. Nicht im Hotel. Nicht bei der Veranstaltung.
Das Einzige, was mir sofort auffiel, als ich das Hotel betrat, war diese Arroganz.
Ich komme mit mehreren Waffen herein, und kein einziger Mensch dort zieht die Möglichkeit in Betracht, dass ich eine Bedrohung sein könnte. Die Sicherheitsvorkehrungen bei der Veranstaltung konzentrieren sich ausschließlich auf den Außenbereich, auf Demonstranten und die gerade Ankommenden, weil offenbar niemand daran gedacht hat, was passiert, wenn sich jemand schon am Vortag anmeldet. So ein Ausmaß an Inkompetenz ist einfach wahnsinnig, und ich hoffe aufrichtig, dass das behoben wird, bis dieses Land wieder eine wirklich kompetente Führung bekommt.
Ich meine, wenn ich ein iranischer Agent wäre statt eines amerikanischen Bürgers, hätte ich hier eine verdammte Ma Deuce (Anm.: das ist ein schweres Maschinengewehr) hereinbringen können und niemand hätte einen Scheiß bemerkt.
Echt wahnsinnig.
Abschied
Oh, und falls jemand neugierig ist, wie sich so etwas anfühlt: Es ist schrecklich. Mir ist zum Kotzen; ich möchte weinen wegen all der Dinge, die ich tun wollte und nie tun werde, wegen all der Menschen, deren Vertrauen dadurch verraten wird; ich verspüre Wut, wenn ich an alles denke, was diese Regierung getan hat.
Kann ich wirklich nicht empfehlen! Bleibt in der Schule, Kinder.
Das ist also ein Blick in die einigermaßen verquere Geisteswelt eines Attentäters, der sein Ziel immerhin für einen Pädophilen, einen Vergewaltiger und einen Verräter an der amerikanischen Sache hält, welcher sich als „König“ aufspielt, und den außer ihm keiner stoppen kann. Trump ist auf dieses Manifest natürlich nicht eingegangen – es wird interessant sein, zu beobachten, ob es von seinen Gegnern, wenn auch mittelbar, aufgenommen wird.
Ihr Dr. Wolfgang Lipps