{"id":499,"date":"2022-08-29T11:34:59","date_gmt":"2022-08-29T11:34:59","guid":{"rendered":"https:\/\/juni-consult.de\/?p=499"},"modified":"2022-08-29T11:35:00","modified_gmt":"2022-08-29T11:35:00","slug":"gasumlage-unsinn-im-faktencheck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/juni-consult.de\/?p=499","title":{"rendered":"Gasumlage &#8211; Unsinn im Faktencheck"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Winter wird teuer.<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Es droht nicht nur die Inflation, sondern noch ein Ungemach: die Gasumlage.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die wird seit Wochen breit getreten und es &#8222;wallt und wogt der Hader&#8220;. Mitten drin ein offensichtlich verwirrter Wirtschaftsminister und eine rumeiernde Regierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerorten lesen wir: <strong>keiner versteht diese d\u00e4mliche Gasumlage.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Beratungsunternehmen ist es unsere Aufgabe, auch derartigen Unsinn, wenn er denn Methode zu haben scheint, zu erkl\u00e4ren. Deshalb hier unser <strong>Gasumlagen-Faktencheck<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>Der <strong>Gaspreis steigt enorm<\/strong><\/td><td>Das hat zwar <strong>schon 2021<\/strong> begonnen, aber der <strong>Krieg<\/strong> Russlands mit der Ukraine und die darauf folgen <strong>Sanktionen<\/strong> gegen Russland haben dazu gef\u00fchrt, dass Russland das Gas <strong>verknappt<\/strong>, damit <strong>verteuert<\/strong>, und infolge dessen an wenig Gas genau so viel verdient wie vorher an der gesamten Menge.<\/td><\/tr><tr><td>Und mit ihm der <strong>Strompreis<\/strong><\/td><td>Das nur <strong>nebenbei<\/strong>: der durch Gas erzeugte Strom ist der teuerste und schleust den gesamten Strompreis auf sein Niveau hoch \u2013 die anderen Erzeuger machen <strong>hohe Gewinne<\/strong>. Das muss unbedingt <strong>entkoppelt<\/strong> werden \u2013 Herr <strong>Habeck<\/strong> hats <strong>schon gemerkt<\/strong> und verspricht, was dagegen tun zu wollen. Was, hat er noch nicht gesagt.<\/td><\/tr><tr><td>In Deutschland kommt das Gas aus einem <strong>Hochdruckleitungssystem<\/strong>, das von einem Unternehmen namens <strong>&#8222;Trading Hub Europe&#8220; (THE) <\/strong>betrieben wird.<\/td><td>Die THE wurde zum 1. Juni 2021 durch Kooperation etlicher Netzgesellschaften&nbsp; gegr\u00fcndet. Die THE stellt die operative Abwicklung der Marktgebietskooperation sicher.<\/td><\/tr><tr><td>Die meisten Gasabnehmer in Deutschland bekommen ihr Gas von <strong>H\u00e4ndlern<\/strong> \u2013 der gr\u00f6\u00dfte ist <strong>Uniper<\/strong>.<\/td><td>Die&nbsp;<strong>Uniper SE<\/strong>&nbsp;ist eine b\u00f6rsennotierte Gesellschaft, die 2016 durch&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Spaltung_(Recht)\">Abspaltung<\/a>&nbsp;der konventionellen Stromerzeugung aus&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kohlestrom\">Kohle<\/a>, Gas,&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wasserkraft\">Wasserkraft<\/a>&nbsp;(ohne Kernenergie) und des globalen Energiehandels von der&nbsp;<strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/E.ON\">E.ON<\/a><\/strong>&nbsp;entstanden ist.&nbsp;Seit M\u00e4rz 2020 geh\u00f6rt Uniper mehrheitlich dem <strong>finnischen<\/strong> Energiekonzern&nbsp;<strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fortum\">Fortum<\/a><\/strong>. Das Unternehmen besch\u00e4ftigt mehr als 11.000&nbsp;Mitarbeiter in \u00fcber 40&nbsp;L\u00e4ndern. Der Unternehmenssitz ist D\u00fcsseldorf. Etwa ein Drittel der Mitarbeiter ist in Deutschland besch\u00e4ftigt.<\/td><\/tr><tr><td>Russland lieferte bis zum Krieg mit der Ukraine billiges Gas. Davon gibt\u2019s aber nur noch ca. 20% durch die Pipeline <strong>Nordstream<\/strong> <strong>1<\/strong><\/td><td>Die Pipeline ist auf den vollen Bedarf ausgelegt, die Drosselung ist allein eine russische Entscheidung ohne tats\u00e4chlichen rechtlich anzuerkennenden Grund \u2013 ein politisches Man\u00f6ver.<\/td><\/tr><tr><td><strong>Nordstream 2<\/strong> ist noch <strong>nicht genehmigt<\/strong> und wird nach dem politischen Willen der Regierung auch <strong>nie mehr operativ<\/strong> werden.<\/td><td>Da Russland mit dem <strong>Gaspreis<\/strong> als <strong>wirtschaftlicher Waffe<\/strong> \u00fcber Freigabe, Ank\u00fcndigung, Widerruf und Verknappung arbeitet, ist es <strong>blau\u00e4ugig<\/strong>, anzunehmen, das w\u00fcrde sich durch die Inbetriebnahme von Nordstream 2 \u00e4ndern. Sie w\u00e4re ein Erfolg Russlands im Sanktionspoker und w\u00fcrde als solcher sicherlich auch ausgeschlachtet \u2013 selbst h\u00f6here Gaslieferungen k\u00f6nnten den <strong>Glaubw\u00fcrdigkeits<\/strong>&#8211; und europ\u00e4ischen <strong>Vertrauensschaden<\/strong> nicht aufwiegen!<\/td><\/tr><tr><td>Die H\u00e4ndler, in erster Linie <strong>Uniper<\/strong>, m\u00fcssen deshalb <strong>teueres<\/strong> <strong>Gas<\/strong> von anderen Quellen beziehen.<\/td><td>In Folge des&nbsp;<strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Russischer_%C3%9Cberfall_auf_die_Ukraine_2022\">russischen \u00dcberfalls auf die Ukraine 2022<\/a><\/strong>&nbsp;und der Reduzierung russischer Gaslieferungen als Reaktion auf die&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sanktionen_gegen_Russland_seit_dem_%C3%9Cberfall_auf_die_Ukraine\">gegen Russland verh\u00e4ngten Sanktionen<\/a>&nbsp;geriet Uniper in wirtschaftliche <strong>Schwierigkeiten<\/strong>, da bei deutlich reduzierter und verteuerter Lieferung von russischem Gas gleichzeitig die <strong>vertraglichen Lieferverpflichtungen <\/strong>weiterbestehen.<\/td><\/tr><tr><td>Da sie mit vielen Kunden, insbesondere Industrie und <strong>Stadtwerken<\/strong>, <strong>Vertr\u00e4ge<\/strong> mit Preisklauseln haben, k\u00f6nnen sie die gestiegenen Einkaufspreise nicht weitergeben. Das k\u00f6nnte zur <strong>Insolvenz<\/strong> des H\u00e4ndlers f\u00fchren.<\/td><td>Am 8. Juli 2022 stellte Uniper daher beim Bund einen Antrag auf <strong>Stabilisierungsma\u00dfnahmen<\/strong>, um den <strong>Liquidit\u00e4tsbedarf<\/strong> zu decken,&nbsp;die am 22. Juli 2022 bewilligt wurden. Die Bundesregierung und der finnische <strong>Mutterkonzern Fortum<\/strong> schn\u00fcrten ein Stabilisierungspaket im Umfang von <strong>15 Milliarden Euro<\/strong>: Die Kreditlinie der staatlichen&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/KfW\">KfW<\/a>&nbsp;f\u00fcr Uniper wird von <strong>2 Milliarden (bereits gezogen)<\/strong> auf <strong>9 Milliarden<\/strong> Euro erh\u00f6ht. Die Bundesrepublik Deutschland erwirbt im Zuge einer <strong>Kapitalerh\u00f6hung<\/strong> um rund 267 Millionen Euro eine Beteiligung von etwa 30 Prozent an Uniper zum Nominalwert von 1,70 Euro pro Aktie. &nbsp; Unterm Strich h\u00e4tten alle Energieversorger zusammen einen Bedarf von rund <strong>34 Milliarden Euro <\/strong>geltend gemacht, so eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Der Gro\u00dfteil der milliardenschweren Umlage zur Rettung von Gasimporteuren entf\u00e4llt nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auf zwei Unternehmen:&nbsp;<strong><a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/wirtschaft\/lernen-aus-der-finanzkrise-wie-der-staat-jetzt-uniper-hilft,TCKDdXb\">Den angeschlagenen Energieriesen Uniper<\/a><\/strong>&nbsp;und die bisherige <strong>Gazprom Germania<\/strong>. \u00dcber <strong>90 Prozent<\/strong> der milliardenschweren Umlage soll an die beiden Gash\u00e4ndler gehen. Beide hatten ihr Gas vor allem aus Russland bezogen.<\/td><\/tr><tr><td>Die <strong>allermeisten<\/strong> der <strong>16 Energielieferanten<\/strong>, die von der Umlage profitieren wollen, machen keine Verluste, sondern sehr <strong>hohe<\/strong> <strong>Gewinne<\/strong>.<\/td><td>Erst <strong>nachdem<\/strong> diese Tatsache in den <strong>Medien<\/strong> ver\u00f6ffentlicht und dann von der <strong>Opposition<\/strong> \u00fcbernommen wurde, hat das \u2013 so sieht es jedenfalls aus \u2013 auch das <strong>Wirtschaftsministerium<\/strong> gemerkt; auf die Frage, ob man das nicht <strong>von vornherein<\/strong> h\u00e4tte sehen k\u00f6nnen, wird <strong>nicht geantwortet<\/strong>. Deshalb h\u00e4lt die Opposition die <strong>Gaspreisanpassungsverordnung<\/strong> f\u00fcr <strong>handwerklichen<\/strong> <strong>Murks<\/strong>!<\/td><\/tr><tr><td>Ausweg der Regierung: die <strong>Gasumlage<\/strong><\/td><td><strong>Auf Gaskunden in Deutschland kommen ab Herbst deutliche Mehrkosten zu. Die H\u00f6he der staatlichen Gasumlage wird bei 2,419 Cent pro Kilowattstunde liegen.<\/strong> Haushalte und Industrie m\u00fcssen ab 1. Oktober 2022 eine staatliche Gasumlage von 2,419 Cent pro Kilowattstunde zahlen. Das teilte die Trading Hub Europe GmbH (<strong>THE<\/strong>) am Montag mit. &nbsp;Das Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Gas-Fernleitungsnetzbetreiber mit Sitz im nordrhein-westf\u00e4lischen Ratingen ist f\u00fcr die Ausgleichszahlungen an die Importeure zust\u00e4ndig. Die THE legt die Zahlungen anschlie\u00dfend auf die Gasversorger um, die diese wiederum an alle Gaskunden weiterreichen werden. &nbsp; <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/deutschland-welt\/gas-umlage-betraegt-2-419-cent-pro-kilowattstunde,TEYOcnQ\">Die <strong>Gasumlage von 2,4 Cent<\/strong><\/a>&nbsp;wird nach bisherigen Pl\u00e4nen ab <strong>Anfang Oktober<\/strong> bis Ende M\u00e4rz 2024 erhoben. Sie soll Importeuren zugute kommen, die zu hohen Preisen Ersatz f\u00fcr ausbleibendes Gas aus Russland am teuren Spotmarkt kaufen m\u00fcssen, um ihre Vertr\u00e4ge zu erf\u00fcllen. Ohne die Umlage h\u00e4tte nach Angaben des Wirtschaftsministeriums eine <strong>Pleitewelle von Gasfirmen und letztlich ein Zusammenbruch des deutschen Energiemarktes<\/strong> mit noch h\u00f6heren Gaspreisen gedroht. Das allerdings darf bezweifelt werden!<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit:<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Gas ist nunmehr <strong>Mangelware<\/strong>. Das treibt den Preis. Den d\u00fcrfen die Gash\u00e4ndler in Deutschland jetzt auf den Gasabnehmer <strong>abw\u00e4lzen<\/strong>, damit das Handelssystem nicht zusammenbricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kunde zahlt also zun\u00e4chst einen h\u00f6heren Gaspreis. Damit die H\u00e4ndler den Marktpreis beim Einkauf bezahlen k\u00f6nnen, bekommen sie daf\u00fcr Geld, das sie bisher mit ca. 34 Milliarde EURO beziffern. Woher kommt das Geld? Das zahlen die Kunden noch zus\u00e4tzlich zum Gaspreis oben drauf! Damit machen die meisten H\u00e4ndler gewaltige Gewinne (nur UNIPER musste vor der Pleite gerettet werden), auf Kosten der Kunden, die man rechtlich einwandfrei bisher nicht absch\u00f6pfen oder auch nur begrenzen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Staat hat zwar die Mehrwertsteuer auf Gas allgemein von 19% auf 7% gesenkt, aber das kompensiert die Mehrkosten keineswegs. Und der Staat verdient immer noch 7% &#8211; ein erkleckliches S\u00fcmmchen, w\u00e4hrend zahlreiche Kunden in ihrer Existenz bedroht sind!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Bewertung:<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Diese Gasumlage ist rundum Unsinn und sollte durch die Aufhebung der <strong>GasPrAnpV <\/strong>durch den Bundestag vollumf\u00e4nglich beseitigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Wolfgang Lipps<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Winter wird teuer. Es droht nicht nur die Inflation, sondern noch ein Ungemach: die Gasumlage. 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